Verwaltungsgebäude, Andreaskirchplatz 1 in Brühl-Vochem 02232/15101-0

Seitenansicht des Verwaltungsgebäudes in Brühl-Vochem, Andreaskirchplatz

Vor sechs Jahren kam Pfarrer Deonal Sinaga nach Deutschland, um im Missionshaus in Bielefeld-Bethel zu arbeiten – 12 000 Kilometer von zu Hause entfernt. Nun kehrt er mit seiner Familie nach Indonesien zurück.
Bild Deonal Fam
Von Andreas Duderstedt (Wochenzeitung Unsere Kirche, Bielefeld), zusamengefasst von Reinhard Radloff (KK Köln-Süd)
(Fotos: Andreas Duderstedt und R. Radloff)
„Unsere muslimischen Brüder und Schwestern“ – das geht Pfarrer Sinaga leicht über die Lippen. In seiner indonesischen Heimat ist es für Christen selbstverständlich, so zu sprechen. In Deutschland hat er mit dieser Formulierung schon Rückfragen oder Widerspruch hervorgerufen. Sind das wirklich unsere Geschwister? So fragten ihn manche erstaunt oder auch befremdet. Deonal Sinaga hat Verständnis für solche Bedenken. Er kennt die verschiedenen Kulturen, er kennt die internationale Ökumene, er kennt auch verschiedene Kreise und Milieus des Protestantismus in Deutschland und in Westfalen recht gut. Vor sechs Jahren ist er mit Frau und Kind nach Bielefeld gekommen. Die Vereinte Evangelische Mission (VEM) will als echte Gemeinschaft von Kirchen in Europa, Afrika und Asien den Austausch und das wechselseitige Lernen in alle Richtungen pflegen und fördern. Deshalb holt sie Leute wie Sinaga als „Süd-Nord-Mitarbeiter“ hierher.

Großes Interesse an ökumenischen Erfahrungen
 P10699, Juni 2010, PS-Konsult. W’tal, D. Sinaga und Pfr. Weinbrenner (?)
Es war aufregend damals, als der junge Theologe sich bei der VEM um diese besondere Stelle bewarb. Internationale ökumenische Erfahrungen haben ihn schon immer interessiert: „Meine Kirche ist schließlich nicht lokal, sondern weltweit.“ Aus guten Gründen empfahl ihn für diese Stelle die Leitung seiner Kirche, die Toba-Batak-Kirche (HKBP). Er brachte beste Voraussetzungen mit: Promotion am Lutherischen Theologischen Seminar in Hongkong, dann ein Jahr wissenschaftliche Arbeit in den USA, anschließend Dozent an der theologischen Hochschule seiner eigenen Kirche in Pematangsiantar (Sumatra). Schließlich war er vier Jahre als Leiter des Ökumenereferats der HKBP verantwortlich für die Beziehungen zu anderen Kirchen und Religionen. Deonal Sinaga war also schon damals ein weitgereister Mann. Mit zwei weiteren Bewerbern – einer ebenfalls aus Indonesien, der andere aus Tansania – kam er in die engere Auswahl und damit zum Vorstellungsgespräch nach Wuppertal. „Ich hatte ein gutes Gefühl“, erinnert er sich. Das war im März 2008. Ein halbes Jahr später trat er seinen Dienst im Zentrum für Mission und Diakonie im Missionshaus Bethel an, das zur VEM gehört. Wie muss man sich den normalen Arbeitstag eines Süd-Nord-Mitarbeiters vorstellen? „Ich habe keinen normalen Arbeitstag, jeder Tag ist ganz besonders“, meint Sinaga und lächelt. Dann fügt er hinzu: „Ich bin immer bereit gewesen, wenn ich gebraucht wurde.“ Das nimmt man ihm sofort ab. Er hat als Pfarrer Gottesdienste gehalten, hat Frauenhilfsgruppen und andere Kreise besucht und in Gemeinden und Kirchenkreisen Seminare zum interreligiösen Dialog geleitet.

Kirche und Diakonieaußerhalb Europas

Dabei sind auch Kirche und Diakonie außerhalb Europas im Blick. „Besonders hier hat Dr. Sinaga unsere Arbeit maßgeblich bereichert und unterstützt“, sagt Diakon Jörg Oelmann, der Leiter des Zentrums für Mission und Diakonie in Bethel. Deonal Sinaga ließ sich dabei von einem Prinzip leiten, das er „kreative Begegnung“ nennt. Dazu gehört es, Unterschiede wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten. „In jeder Kultur gibt es etwas Besonderes“, erklärt er: „In anderen Menschen treffe ich es an, und dann kommt die individuelle Lebensgeschichte und Erfahrung hinzu. Kreative Begegnung ist das Zusammenwirken des jeweils Besonderen.“ Damit das gelingt, braucht man Bescheidenheit. „Wir sind nicht besser als andere.“ Man braucht Respekt vor dem andern, aber auch vor sich selbst. Offenheit ist eine weitere Voraussetzung: „Ich muss bereit sein, Kritik zu ertragen, aber auch selbst Kritik zu üben – Kritik ist auch ein Zeichen von Liebe.“ Das hängt eng mit dem Selbstvertrauen zusammen, das ebenfalls nötig ist. Die beste Grundlage dafür ist die Gewissheit: Ich bin wichtig, ich werde gebraucht. Und natürlich die Bereitschaft zum Dialog. Nach diesem Programm hat Deonal Sinaga in Westfalen schon ungezählte „kreative Begegnungen“ erlebt. Aber wahrscheinlich musste er sich das einleuchtende Konzept dafür gar nicht immer systematisch vornehmen. Der 42-Jährige verkörpert offenbar all diese Voraussetzungen auf natürliche Weise. Freundlich und zurückhaltend ist er, in seiner höflich leisen Art aber keineswegs ein Leisetreter: Die Begeisterung und Freude, auch die Dankbarkeit über seine Arbeit spürt man ihm ab.

Heimkehr in eine Gemeinde in Sumatra

26.8.2012: Deonal Sinaga mit Dylan und Reinhard Radloff, zu Besuch in Erftstadt
Und die Familie? Seine Frau Omega Sitorus hat sich damals ebenso gefreut wie ihr Mann, sie hat die Zeit in Deutschland „als Geschenk Gottes angenommen“. Als sie hierherkamen, war Sohn Dylan ein Jahr alt. Nun ist er sieben, und der Abschied von den Freunden fällt ihm nicht leicht. Sein kleiner Bruder Louis Manuel, vor drei Jahren in Bielefeld-Bethel geboren, hat noch keine Vorstellung von dem 12 000 Kilometer entfernten Land seiner Herkunft. Der Rückkehr nach sechs Jahren sieht die Familie gespannt entgegen. Vieles ist zu regeln, etwa der Schulbesuch des Siebenjährigen. Vater Deonal wird Gemeindepfarrer in der Großstadt Medan in seiner HeimatSumatra. Die Evangelische Kirche von Westfalen wird er auch in Zukunft „sehr tief im Herzen behalten – es ist eine ganz besondere Kirche, durch und durch ökumenisch und immer dran an den aktuellen Herausforderungen der Gesellschaft“. Familie Sinaga kehrt Ende Oktober nach sechs Jahren zurück in ein Land mit weit überwiegend muslimischer Bevölkerung. „Schwestern und Brüder“ sind dort alle, jedenfalls sprachlich gesehen. Im Indonesischen sagt man „Saudara-Saudara“. Das bezeichnet die Geschwister – die geläufige Wendung entspricht, etwa zu Beginn einer öffentlichen Rede, den „sehr geehrten Damen und Herren“. Deutsch klingt hier förmlicher. Ein anderes Wort seiner Muttersprache, Sahabat, heißt „bester Freund“. Deonal Sinaga hat hier inzwischen viele davon. Er wird sie vermissen.

Im Kirchenkreis Köln-Süd sind Deonal und seine Familie von mehreren Veranstaltungen her bekannt, bei denen er uns als HKBP-Pfarrer und VEM-Mitarbeiter aktiv unterstützte. Er ist ein begabter Brückenbauer zwischen den Kulturen und Religionen. Möge Gott seinen und den Weg seiner Familie weiter reich segnen.

Tageslosung 19.02.2018
Gefällt es euch nicht, dem HERRN zu dienen, so wählt euch heute, wem ihr dienen wollt. Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen.

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