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Seitenansicht des Verwaltungsgebäudes in Brühl-Vochem, Andreaskirchplatz

1. Woche, Singapur – Medan – Balige: Heimkehr zu alten Freunden

(Bericht und Fotos: Rita und Reinhard Radloff, Erftstadt)

Es ist meine 5. Reise nach Nordsumatra seit 1980. Mein Mann Reinhard war noch öfters dort, im Rahmen der langjährigen Kirchenpartnerschaft zwischen dem Evangel. Kirchenkreis Köln-Süd und dem Evangel. Krankenhaus in Balige am Tobasee. Als zweiter Kirchen-Partner kam vor gut 20 Jahren der Kirchenkreis Silindung der HKBP-Kirche hinzu. -  Wir sind gespannt, welche alten und  neuen Freunde wir in den kommenden drei Wochen auf Nordsumatra treffen werden. Die Reise ist gut vorbereitet, aber eigentlich habe ich Respekt vor all dem Neuen, was wir sehen und erleben werden.

Im Vorfeld der Reise besuchten uns Mitte Juli sechs Diakonissen aus Balige. Das hat geholfen uns auf Nordsumatra einzustellen (siehe Bericht „Aus Eins mach Sechs.... “ unter „Aktuelles“).

Flug Frankfurt – Singapur, 29.-30.7.

Nach 12 Stunden Flug und fürstlicher Bewirtung, auch in der billigen Touristenklasse der Singapore Airlines, sind wir gut in Singapur gelandet. Weite Wege in dem großzügigen Flughafen Changi, viele Geschäfte, Orchideengärten, Goldfischteiche. Ein buntes Völkergemisch empfängt uns, viele Sprachen. Aber mit Englisch kommen wir überall zurecht. Nach drei Stunden geht es weiter nach Medan, der Provinzhauptstadt Nordsumatras. Hier hat man erst vor vier Tagen den neuen Flughafen Kualanamu in Betrieb genommen. Noch ist nicht alles fertig, wir müssen lange auf die Koffer warten. Aber bei  Pass- und Zollkontrollen klappt alles schnell.

Dr. Tihar Hasibuan, der Direktor des Krankenhauses Balige, empfängt uns am Ausgang mit Auto und Fahrer. Es ist schon spät, 22 Uhr Ortszeit. Da ist es gut, dass wir in Medan übernachten können, im neuen großzügigen Haus von Dr. Irwan Wirya, mit dem wir schon seit vielen Jahren befreundet sind. Irwan, seine Frau Sumiaty und die Söhne Eka und Evanda empfangen uns mit einem leckeren chinesischen Abendessen.

Mittwoch, 31.7.  Fahrt Medan – Pematang Siantar – Balige

Bevor es am nächsten Morgen mit Dr. Tihar und dem Auto auf Fahrt geht, genießen wir ein kühles Bad im Swimming Pool von Dr. Irwan und Sumiaty und ein leckeres Frühstück. Dann ein Abstecher zum UEM-Asia Büro, dem asiatischen Zweig der VEM (Vereinten Evangelischen Mission) aus Wuppertal. Mehrere asiatische Mitarbeiter sowie eine Krankhausleiterin aus Ostjava begrüßen uns freundlich. Dann kommt auch Pfarrer Silitonga mit seiner Frau noch vorbei, auf dem Weg zum Krankenhaus. Wir sind mit Herrn Silitonga befreundet, seit er vor einigen Jahren Superintendent im Partner-Kirchenkreis Silindung war. Seit einem Jahr leidet er aber an Leukämie und hat schon einige Chemo-Serien hinter sich. Wir sind sehr dankbar, ihn wieder auf den Beinen zu sehen. 

Auf der Fahrt nach Pematang Siantar machen wir kurzen Stopp in Matapao/Tebing Tinggi, wo wir Gilbert treffen, einen Lehramts-Studenten, den Reinhard über seine Facebook-Seite kennt. Gilbert stellt uns seinen Vater und die Großmutter vor, gibt uns noch einen Beutel mit Keksen und Cola als Wegzehrung mit. Nach einem Mittagessen im Chinarestaurant in P. Siantar, mit Kirchenleuten der Simalungun-Batak-Kirche und ein paar Ärzten geht es weiter nach Parapat am Tobasee, wo wir uns fast schon wie zu Hause fühlen. Herrlicher Blick über den riesigen Kratersee vulkanischen Ursprungs.

In Balige werden wir abends schließlich von mehreren Diakonissen begrüßt, die wir erst vor 10 Tagen in Frankfurt zum Flughafen gebracht hatten: Sr. Rosmauli, Sr. Solide und Sr. Tio. Das Gästehaus des Krankenhauses steht frei für uns, wir freuen uns über ein uns vertrautes  Haus und liebe Hauseltern, die uns in den nächsten Tagen verwöhnen werden.

Donnerstag, 1.8.  Jubiläums-Feier 95 Jahre Krankenhaus Balige

Wir haben unruhig geschlafen, die Seele muss erst noch nachkommen. Dr. Tihar, Saidi Tambunan und Sr. Rosmauli kommen zum gemeinsamen Frühstück und um unser Programm für die nächsten Tage abzustimmen.

Um 10 Uhrbeginnt die Feier zum 95-jährigen Jubiläum im Versammlungssaal des Krankenhauses. Ein junger Batak-Pfarrer hält eine Predigt, die von den Schwestern mit viel Lachen begleitet wird. Zwischen Gesängen gibt Dr. Tihar einen Überblick über die Geschichte des Krankenhauses. Viele Lieder erkennen wir wieder. Eine große Geburtstagstorte wird aufgeschnitten und an die 200 Teilnehmer verteilt. Im Versammlungssaal folgt ein Mittagessen mit Fisch, Büffelfleisch, Bohnengemüse, Reis, Bananen und Wasser (siehe Artikel „Kleines Jubiläum in Balige – 95 Jahre Krankenhaus“ unter „Aktuelles“).

Nach kurzer Mittagspause besuchen wir das HIV-Aids-Komitee der HKBP-Kirche. Dort treffen wir neben Mitarbeitern auch drei Patienten, von denen einer seit einigen Jahren als Streetworker mitarbeitet. Seine fröhliche Ausstrahlung beeindruckt uns. Die Krankheit ist durch regelmäßige Medikamente gestoppt. Die anderen Patienten wissen erst seit Kurzem, wie krank sie sind. Über Drogenspritzen haben sie sich in Medan oder Jakarta angesteckt. Zurück gekehrt in ihre Heimatdörfer stecken sie andere an, wenn sie nicht aufgeklärt werden. Aufklärung ist die Hauptarbeit des Aids-Komitees, bei kirchlichen Mitarbeitern und in den Dörfern und Städten.

Als nächstes sind wir in die BRI-Bank von Balige eingeladen. Tigor stellt uns seinem Chef und mehreren Kollegen vor, bald kommt ein offenes Gespräch zustande und das obligatorische Gruppenbild. Wenn Bataker auftauen, gehört man gleich zur „Familie“. -  Anschließend zeigen uns Sr. Rosmauli und Tamba vom Aids-Komitee das Umfeld von Balige: Reisfelder, friedlich grasende Wasserbüffel, ein einfaches Batak-Dorf, den Tobasee bei Nieselregen. Endlich sind wir angekommen. Rosmauli kauft Durian, die Stinkfrucht. Ein vertrauter „Duft“ breitet sich im Auto aus.

Unsere Freunde lassen uns nicht verhungern. Abends werden wir von Dr. Tihar und Frau Berlina zum Dinner in ihr Haus eingeladen. Nach gutem Gespräch und Gebet für familiäre Anliegen fahren wir ins Gästehaus und lassen uns die Durian schmecken, zusammen mit Sr. Setiawan, Sr. Tio und Tigor.

Freitag, 2.8.:   Balige, BPM-Sitzung, Behindertendorf Hephata, Diakonissen-Mutterhaus

Nach Frühstück und Morgenandacht im Krankenhaus treffen wir uns mit dem Partnerschafts-Ausschuss BPM. Der verlässliche Saidi Tambunan, Vorsitzender des BPM, hat alles sehr gut vorbereitet mit Liedblatt und sehr anschaulichem Bericht zu den Projekten der letzten 12 Monate. Die gut Englisch sprechende Diakonisse Marini gehört seit kurzem dem BPM an. Sie unterstützt die Krankenhaus-Pfarrerin in der Begleitung der Angestellten und Patienten. Aufgeschlossen und fröhlich begegnet sie uns. Vielleicht kann sie die Kommunikation mit dem KK Köln-Süd verbessern? Sr. Lamria berichtete über die Pflegeschule/Akademie AKPER, der eine staatliche Neu-Akkreditierung bevorsteht. Seit einigen Jahren gibt es viele staatliche und private Krankenpflegeschulen auf Sumatra, die sich untereinander Konkurrenz machen.

Das Behindertendorf Hephata liegt eine halbe Autostunde entfernt. Diese wichtige diakonische Einrichtung der HKBP-Kirche ist uns aus früheren Jahren bekannt, sie hat sich durch eine neue Leitung und Konzeption der Arbeit sehr positiv entwickelt. Dort wollten wir vor allem das mehrfach-behinderte Waisenkind Moses wiedersehen, das wir schon seit Jahren aus dem Krankenhaus Balige kennen. Eine Diakonisse kümmert sich in Hephata liebevoll um ihn; seine Epilepsie wird erfolgreich behandelt. Für seine motorische Entwicklung braucht er aber noch viele Anregungen.

Saidi wohnt in der Nähe von Hephata, seine Frau lädt uns zum Mittagessen ein. Dort treffen wir auch die Krankenhaus-Mitarbeiterin Ernita und Nurhayati, Leiterin des Aids-Komitees. Wir lassen uns das selbst aufgezogene Hühnchen, die Suppe mit Hühnerklauen, den Fisch vom Tobasee, Mangos und Melonen schmecken. Neben Saidis einfachem Haus bewundern wir ein altes Batak-Haus, nutzen das Toilettenhäuschen im Hinterhof, staunen über Saidis alten VW-Käfer, der nach 50 Jahren immer noch läuft, und läuft, und läuft…. Ein sehr schlichtes Dorf mit hohen Bambusstauden und idyllischer Ruhe.

Nachmittags dann Besuch im Diakonissen-Mutterhaus Lumban-Pisang bei Siborong-Borong. Hier treffen wir das „Urgestein“ der batak‘schen Diakonissen, Sr. Nuria und Sr. Bonaria, die vor über 50 Jahren in Kaiserswerth bei Düsseldorf ausgebildet wurden. Auf ihre Anregung hin wurden weitere Schwestern in Kaiserswerth ausgebildet, dann aber vor 40 Jahren eine eigene Diakonissenschule in Balige, gegenüber dem Krankenaus eingerichtet. Bis heute haben über 300 Diakonissen die Schule absolviert, arbeiten jetzt über ganz Indonesien verteilt.

Die alten Damen verfolgten mit Interesse aktuelle Berichte von Rosmauli‘s Bruder Jannen Hutahaean, der als NRO-Mitarbeiter den Widerstand der Dorfbevölkerung gegen das Zink-Blei-Bergbauprojekt „Sopo Komil“ im entfernten Norden begleitet. Reinhard hat wieder mal zwei Begegnungen unter “einen Hut“ gebracht. Abends sind wir schließlich noch bei der Leiterin der Diakonissen-Schule, Sr. Serepina zum Abendessen eingeladen, natürlich nicht alleine sondern mit zahlreicher Begleitung. Ein Fruchtsaft-Cocktail in Regenbogen-Farben lässt uns viele verschiedene Früchte schmecken.

Samstag 3.8.  Geburtstagsfeiern in Balige

Schon zum Frühstück im Gästehaus des Krankenhauses bringen Dr. Irwan und Tigor eine Geburtstagstorte für Reinhard mit. Die Kerzenziffern 6 und 3 werden angezündet, Reinhard muss sie ausblasen. Gemeinsam wird die kleine Torte verzehrt.

Auch in der Morgenandacht unter vielen Schwestern, Pflegern und Ärzten wird Reinhard mit Geburtstaglied und einer weiteren Torte bedacht. Psalm 63 wird verlesen, er passt sehr gut zum heutigen Tag und dem neuen Lebensjahr.

Dr. Tihar drängt zur Abfahrt. Wir haben uns heute in der Technikerschule PI-DEL in Laguboti am Tobasee angemeldet, wollten uns dort zu einer kleinen Führung mit der Leiterin, Dr. Arlina und Professorin Dr. Inge treffen. Aber als wir ankommen, erwartet uns schon ein „großer Bahnhof“, die große Halle ist gefüllt mit Studenten, Schülern, Dozenten, Ehrengästen. Wir platzen in die Abschlussfeiern für das 1. Semester in 2013 hinein. 2 ½-stündige Feier mit langen Ansprachen, Musik, Tänzen, Ehrung der besten Studenten und anschließendem Festmahl, Austausch mit einem Professor aus Prag, dessen 15 Studenten gerade Feldstudien bei Reisbauern im Umkreis von Laguboti durchgeführt haben. Die Studienangebote der Schule PI-DEL sollen erweitert werden von EDV und Kommunikations-technik auf landwirtschaftliche Planung und Beratung zur Verbesserung der bäuerlichen Lebensgrundlagen. Ganz erstaunlich, was die DEL-Stiftung um den ehemaligen General Luhut Panjaitan in den letzten zehn Jahren hier aufgebaut hat.

Zurück am Krankenhaus Balige lassen wir uns von Dr. Tihar die „schmutzige Seite“ des Krankenhauses zeigen, wo die gemischten Abfälle nicht im vorhandenen Verbrennungsofen sondern auf offenem Platz direkt neben den Reisfeldern verkokelt werden. Dass dabei giftige Gase und bei Regen auch giftige Auswaschungen entstehen, kümmert den Krankenhausleiter wenig. Rita ereifert sich über die unverantwortliche Belastung für die umliegende Bevölkerung. Reinhard argumentiert, dass bei der nächsten anstehenden Akkreditierung des Krankenhauses durch die Provinzverwaltung auch Umweltbelastungen kritisch geprüft werden und Balige im jetzigen Zustand durchfallen würde. Aber – Dr. Tihar zuckt die Achseln, „was kann ich machen?“ Auch die Kläranlage für Krankenhaus-abwässer, vor über zehn Jahren von „Brot für die Welt“ finanziert, befindet sich in einem kritischen Zustand. In der benachbarten Großküche für Patienten und Personal sieht es schmutzig und unhygienisch aus. Wir verstehen jetzt, dass einige Berater aus Deutschland, pensionierte Ärzte und eine Leitende Schwester, die die Hygiene im Krankenhaus verbessern wollten, schon vor zwei Jahren frustriert abgereist sind.

Am Abend dann wieder etwas Erfreuliches: Metro Sibarani, ein Facebook-Freund von Reinhard, besucht uns im Gästehaus. Er bringt einen sehr schönen, großen Ulos mit, den er oder seine Familie mit einem Grußwort bestickt haben. Einfach so, „weil wir Freunde sind!“ -  Danach wieder ein schönes Abendessen bei den Diakonissen, gegenüber vom Krankenhaus, im Rumah Kapernaum. Gute Gespräche und gemeinsame Lieder. 

Sonntag 4.8.  Gottesdienst und Ausflug zum „Garten Eden“

Nach Frühstück und Gottesdienst in der Krankenhauskapelle machen wir uns mit Ernita und Tigor auf zu einem Ausflug nach „Taman Eden 100“. Eigentlich wollte Tigor uns auch den Standort Meranti zeigen, wo er als Bank-Trainee viele Farmer beraten hat. Aber die Wege sind so schlecht, dass wir uns auf den „Garten Eden“ beschränken. Wirklich ein wunderschönes Stück Erde  mit Wasserfall, natürlichem Pool zum Schwimmen, etwas Urwald und Erdbeergarten. Mit Ernita besprechen wir noch einige Missstände im Krankenhaus. Keiner fühlt sich richtig zuständig, viele machen nur ihren „Job“. Nachdem Ernita  vor 18 Monaten zurück ans Krankenhaus Balige gerufen wurde, viele Verbesserungsvorschläge aber nicht aufgegriffen wurden, geht sie frustriert jestzt wieder zurück nach Jakarta. An einem dortigen Krankenhaus kann sie mehr bewegen.

Nach einer Pause im Gästehaus lassen wir uns von Sr. Lamria, Leiterin der Krankenpflege-Akademie AKPER, die Situation dort schildern und schauen uns den baulich sehr schlechten Zustand der Lehrbibliothek an. Saidi bedankt sich für den Motivationsschub, den unser Besuch und unsere vielen Fragen bewirken. Ja, Begegnungen und Austausch sind immer wieder wichtig!

Abschluss-Dinner in einem Restaurant direkt am Tobasse. Wir beobachten sogar einen großen Fischotter bei seiner Abendmahlzeit! Zurück im Quartier verzehren wir noch eine Durian, die Stinkfrucht, die so lecker schmeckt!

Fortsetzung, die zweite Woche unserer Reise folgt! 

Tageslosung 22.01.2018
Gott kennt ja unsres Herzens Grund.

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