Verwaltungsgebäude, Andreaskirchplatz 1 in Brühl-Vochem 02232/15101-0

Seitenansicht des Verwaltungsgebäudes in Brühl-Vochem, Andreaskirchplatz

(Text und Bilder von Kerstin Sistig, Brühl)

Als ich nach dem langen Flug auf Sumatra in Medan am Flughafen ankam, war ich erstaunlicherweise ziemlich entspannt. Aber bevor ich über meine Reise erzähle, möchte ich vorab erzählen wer ich bin. Ich heiße Kerstin Sistig, bin ganze 22 Jahre alt, und diesen Sommer habe ich meine Ausbildung zur Erzieherin abgeschlossen. Bevor ich mich für den Rest meines Lebens in die Arbeitswelt stürze, wollte ich einmal raus. Ein anderes Land kennenlernen. Andere Menschen, andere Kultur. Das volle Programm. Da ich in der Evangelischen Kirchengemeinde Brühl lange Jahre tätig war, bis meine Ausbildung meine komplette Zeit und Kraft verschluckte, wusste ich, dass Pfarrer Jansen-Hass einmal nach Indonesien gereist war. Also gut. Ich fragte ihn, ob ein Praktikum Vorort möglich wäre und er leitete mich an Reinhard Radloff weiter. So kam ich in den Partnerschaftsausschuss und konnte meine Reise planen. Durch ein paar unglückliche Gegebenheiten, konnte ich leider nur 3 Wochen verreisen.

Je weniger Zeit verblieb bis zum Start meiner Reise, umso nervöser wurde ich. Man Kessy, dachte ich. Was war das nur für eine Idee. Alleine ans andere Ende der Welt?

Doch letztendlich kam ich ohne Nervenzusammenbruch in Medan an. Und seltsamerweise fühlte ich mich frei wie ein Vogel. Ich setzte mich in ein Café am Flughafen und wartete auf Dr. Irwan, mit dem ich mich treffen sollte. Ich bekam in den ersten Stunden schon einen guten Eindruck der indonesischen Mentalität. Denn am Flughafen holten mich drei Männer ab, anstatt nur Dr. Irwan. Nun gut dachte ich. Drei ist besser als einer. Oder garkeiner. Wir fuhren in das Haus von Dr. Irwan um dort eine Nacht zu übernachten und uns am nächsten Morgen weiter auf den Weg zu machen. Wo ich hin wollte? – lassen sie sich überraschen.

ReiseKessy1
Ich aß das erste Mal in meinem Leben mit Stäbchen. Ziemlich kompliziert, aber wenn man wirklich hungrig ist, schafft man es die Nudeln bis in den Mund zu befördern. Auf dem Foto sehen Sie Dr. Irwan und mich.

Ich schlief nicht viel obwohl das Bett sehr komfortabel war und ich hundemüde. Morgens frühstückten wir und machten uns auf die 8-stündige Autofahrt. Man könnte meinen, ich sei während dieser Stunden im Auto eingeschlafen. Doch ich klebte wie ein kleines Kind vor einem Süßigkeiten-Geschäft an der Fensterscheibe. Meine lieben Mitreisenden sagten, ich solle doch schlafen, aber ich wollte auf keinen Fall etwas verpassen. Zu neu, zu anderes war die Umgebung, die ich jetzt bei Tageslicht betrachten konnte. Es war kühl im Auto. Als wir ausstiegen, um eine kleine Pause zu machen, erschrak ich. WARM. ES IST SO WARM. Schnell zog ich meine Jacke aus.

* (Bild Kessy2) Abends erreichten wir Hephata, meinen Zielort. Es war schon längst dunkel und Saud, der Mitarbeiter von Hephata, der mich ebenfalls vom Flughafen abgeholt hatte, zeigte mir mein Zimmer. Ein simples Zimmer mit einer Matratze, doch ich war glücklich, endlich angekommen zu sein. Als er mir sagte, wann ich aufstehen soll, verschwand ein wenig die Euphorie. Um 6:30 Uhr gibt es Frühstück, danach gehen alle um 7:30 Uhr gemeinsam in einen kleinen Gottesdienst. Hephata ist ein mit einem Zaun umrandetes kleines Dorf in einem Dorf. Dort werden Differently Able People, zu Deutsch: anders befähigte Menschen, betreut. Jung und Alt lebt dort zusammen. Die Toba-Batak-Kirche HKBP betreibt das Dorf Hephata. Neben einer eigenen Kirche und einer eigenen Schule hat Hephata auch viel Land. Sie haben einige Kühe, Schweine und eine Menge Hühner. Um die Tiere kümmern sich die Bewohner des Dorfes. Ebenso um den Garten. Ich lernte blinde Menschen, taube Menschen, taub-blinde Menschen, Menschen mit Handicaps und geistig behinderte Menschen kennen. * (Bild Kessy10) In der ersten Woche stellte ich mich bereit in der Küche mitzuhelfen. Ich war neugierig, wie hier gekocht wird. Also hieß es für mich, dass mein Tag um 5 Uhr morgens in der Küche anfing. Es gab 3 Mal am Tag Reis. Meistens mit Fisch und Gemüse, wobei ich das Gemüse und die sehr scharfe Soße nicht aß. Naja am Anfang schon, aber dann landete ich bei Dr. Irwan und konnte am eigenen Leib seine Arztpraxis in Balige erleben. Das scharfe Essen war so lecker. Aber mein Bauch war da anderer Meinung. Doch Dr. Irwan nahm sich Zeit für mich, trotz seines vollen Wartezimmers, und half mir.

Saud war mein Anleiter im Praktikum und sagte mir, was meine Aufgaben waren. Er hatte meine Aufgaben extra für mich aufgeschrieben, aber bis zum heutigen Tag hat er es nicht geschafft, sie auszudrucken. In Deutschland wär jeder Praktikant an die Decke gegangen vor Empörung, aber ich konnte mich mit dem Indonesischen Lebensstiel sehr gut arrangieren. An manchen Tagen tat ich einfach das, was getan werden musste. Oder das, was ich dachte, dass es getan werden müsse. * (Bild Kessy4) Ich goss die Blumen, half in der Küche und kommunizierte mit den Menschen. Stets war Saud da und er beantwortete mir fast jede Frage. Warum fast? Weil ich ihn nach fast jedem Baum, Insekt, Pflanze, Gebäude oder mir sonderbar erscheinendem fragte, was das sei. Wenn es anders herum gewesen wäre und Saud in Deutschland mich so vieles gefragt hätte, hätte ich ihm nicht so viele Antworten geben können. Ja, Saud war stets bemüht mir eine ausführliche Antwort auf all meine Frage zu geben. Zu erwähnen ist, dass er sehr gut Englisch spricht und wir auf Englisch kommuniziert haben. Da wir beide jedoch nicht so oft Englisch sprechen, kam es vor, dass wir beide genau wussten wovon wir sprachen, aber nicht auf die englische Übersetzung kamen.

ReiseKessy14
* (Bild Kessy 14) Ich versuchte so viel wissen wie möglich aufzusaugen. Außerhalb des umzäunten Dorfes Hephata und ein paar Minuten Fußweg entfernt stehen ebenfalls Häuser, die zu Hephata gehören. Dort wohnen Familien die in der Lage sind, mit weniger Unterstützung zu leben. Nicht, dass Hephata zu wenig Personal hätte. Nein im Gegenteil. Hephata legt Wert darauf, dass die Menschen selbstständig leben können und soweit wie nötig unterstützt und beschützt werden. Die Menschen sind sehr lebensfroh und ehrgeizig. So lachte und staunte ich dort, unentwegt. Ein Junge rannte an mir vorbei über den sehr unebenen Weg. Ich dachte: Wahnsinn, ich wäre schon dreimal hingefallen, und er macht dies ohne auch nur etwas zu sehen. Denn dieser Junge war blind. Saud erzählte mir, dass dieser blinde Junge auch Fahrrad fahren und schwimmen kann. Ich sah geistig behinderte Jugendliche, die aus eigener Motivation anderen gehandicapten Kindern halfen. Einfach so und selbstverständlich. Die Bewohner kamen auf mich zu, und obwohl ich nicht ihre Sprache konnte, kommunizierten wir.

Ich lernte die Wochentage auf Indonesisch und ein paar Sätze und Wörter. Ich befreundete mich mit zwei tauben jungen Frauen mit denen ich, dank Saud, kommunizieren konnte. Damit Saud vom ganzen Übersetzen nicht irgendwann schwindelig wird, habe ich begonnen die Gebärdensprache zu lernen. Mir war bewusst, dass ich nicht Indonesisch und die Gebärdensprache in drei Wochen lernen konnte, aber es war ein Anfang. * (Bild Kessy3) Ich fuhr mit Saud auf dem Motorroller manchmal in die Stadt nach Balige. Das ist wirklich nichts für schwache Nerven. Oft genug kniff ich die Augen zu und dachte: Man da passen wir niemals durch. Ich habe gelernt: Doch wir passen dort durch. Die deutsche Gewohnheit an geregelten Straßenverkehr kann man ziemlich über Bord werfen. Zumindest auf Sumatra. Sie mögen es geregelt und geordnet? Dann steigen sie besser nicht in ein motorisiertes Fahrzeug in Indonesien. Obwohl? Vielleicht genau deswegen sollten sie es tun! Die ersten male bei einem Das-schaffen-wir-nie-Moment lassen Ihren Adrenalinspiegel im Blut stark ansteigen. Aber was sie nach den ersten Malen gewinnen ist sehr kostbar: Entspanntheit. Und zwar Tiefen-Entspanntheit. Denn ich hatte die Erfahrung gemacht: Es sieht aus, als wäre es zu eng, der Laster da vorne kommt uns viel zu nah, doch es passt. Und ich habe einen vollen Respekt vor den Menschen, die in diesem Gewirr die Nerven haben, sich hinters Steuer zu setzen. Ich vertraute Saud und den fremden Busfahrern blind in ihren Fahrkünsten und wurde darin nur bestätigt. Ich fand es belustigend, dass in Indonesien jeder alle 2 Minuten auf die Hupe drückt um die Entgegenkommenden zu warnen oder den Überholenden zu erinnern, dass man da ist. Ich stellte mir vor, wie ich hupend durch Köln fahren würde und nach 10 Minuten von der Polizei angehalten würde.

Dieser Reisebericht wird in Kürze fortgesetzt.

Über Rückmeldung, Kommentare oder Fragen freuen wir uns. Bitte einsenden an: reinhard [PUNKT] radloff [AT] gmx [PUNKT] de

 

Tageslosung 22.01.2018
Gott kennt ja unsres Herzens Grund.

Gottesdienste

Gottesdienste im Ev. Kirchenkreis Köln-Süd

Konzerte

Konzerte (Link öffnet neues Fenster)
Copyright © 2011 - Ev. Kirchenkreis Köln-Süd - Alle Rechte vorbehalten