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Seitenansicht des Verwaltungsgebäudes in Brühl-Vochem, Andreaskirchplatz

Kirchenkreis Köln-Süd

Informationen und Mitteilungen aus dem Kirchenkreis
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Verantwortung für die Schöpfung – mit weniger leben

Die täglichen Nachrichten und zahlreiche Magazine sind bestimmt von Themen zur ökologischen Verantwortung: Klimaschutz, Schmelzen der Gletscher und der Polkappen, Feinstaubbelastung, Dieselfahrverbot, Mobilitätswende, Hambacher Forst, Stärkung der erneuerbaren Energien, Schutz der Artenvielfalt, nachhaltige Forstwirtschaft und fleischarme Ernährung.

Im Erdkundeunterricht und den Lehrbüchern sind die ökologischen Fragen seit vierzig Jahren ein wichtiges Thema. In den siebziger Jahren erschien ein Buch von Herbert Gruhl, gedruckt auf grauem Umweltschutzpapier, mit dem markanten Titel: „Ein Planet wird geplündert"[1], das ich als Schüler gründlich gelesen habe. Mir wurde beim Lesen bewusst, wie sehr technischer Fortschritt auf der Ausnutzung der Ressourcen unserer Erde gründet und wie sehr der Rohstoffabbau unseren Planeten verändert. Wir sehen genau das vor unserer Haustür am Hambacher Braunkohlentagebau und in Brasilien und Indonesien an der Vernichtung der Regenwälder. Der UN-Klimagipfel in Kattowitz im Dezember 2018 hat mit Händen greifen lassen, worin die Probleme bestehen. Alle haben verstanden, dass unser Wirtschaften national und weltweit weitreichende Folgen für das Weltklima hat. Die Erderwärmung soll auf 1,5°C, bezogen auf vorindustrielles Niveau, begrenzt werden. Deshalb braucht es verbindliche Verabredungen zu Grenzwerten, Messmethoden und weltweites Denken. Andererseits sehen viele Länder, gerade die Schwellenländer, ihr Wirtschaftswachstum durch zu scharfe Regeln bedroht. Die entwickelten Industrieländer haben den Auftrag, mit gutem Vorbild vorauszugehen, ihre Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit besonders zügig umzubauen.

Schöpfungsverantwortung

Was sind die biblischen Ansatzpunkte für ein ökologisches Denken?

Die Schlüsseltexte sind die beiden biblischen Schöpfungsberichte. Sie stellen die Sonderstellung des Menschen in der Schöpfungsgemeinschaft von Mensch und Tier heraus und lassen seinen Auftrag zum Gestalten und Bewahren erkennen: „Gott segnete Mann und Frau und sprach zu ihnen: `Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrscht über die Fischeim Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.´" (1. Mose 1,28) (Bitte die Bibeltexte auch im Druck kursiv stehen lassen.) Im anderen Schöpfungsbericht wird der Aspekt der Fürsorge für die Natur hervorgehoben: „Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte." (1. Mose 2,15)

Die christliche Theologie ist von der ökologischen Krise genauso betroffen wie die Naturwissenschaften, die technologische Forschung und die ökonomische Entwicklung. Kritiker der jüdisch-christlichen Tradition werfen der Theologie nicht zu Unrecht vor, dass die Theologie mit der Auslegung des biblischen Herrschaftsauftrages aus dem 1. Mosebuch, „machet euch untertan", zusammen mit den Impulsen der Aufklärung die Natur entzaubert hat. Die Natur selbst wurde nicht mehr als göttlich angesehen, sondern als nutzbares Objekt angesehen. Wir können hier das Nutzbarmachen weiter Landstriche, die Überbevölkerung der Erde, den Rohstoffabbau und die Verbrennung fossiler Energieträger nennen. Damit habe die Theologie die geistigen Grundlagen für die ökologische Krise gelegt, so die Kritik. Dabei setzt der Schöpfungsbericht dem Handeln des Menschen Grenzen. Wir sollen den Garten Eden „bebauen und bewahren". Des Menschen Herrschaft soll also dem bebauenden und bewahrenden Tun eines Gärtners entsprechen. Heute müssen wir betonen, dass nicht der Herrschaftsauftrag im Vordergrund stehen sollte, sondern mit den biblischen Weisungen letztlich ein Speisegebot gemeint ist. Die Menschen sollen zusammen mit den Tieren von dem leben, was die Erde an Früchten hervorbringt. Und wenn Tiere als Nahrung dienen, dann soll dies durch eine tiergerechte Haltung und mit Maß geschehen.

Radikale Umkehr?

Heute sehen manche die Lösung für die ökologische Krise darin, radikal zu werden, ökonomisches Wachstum abzulehnen, gar kein Fleisch mehr zu verzehren und die Natur als beseeltes Wesen zu sehen, dem in liebevoller Zuwendung begegnet werden soll. Das kann man so sehen, und diese Haltung führt sicher zu einer Form von Achtsamkeit, die uns weiterbringt. Ich denke, es muss im Umgang mit der Natur auf jedem Fall um eine Haltung des Respektes und der Vernunft gehen, die zu einem verantwortlichen Umgang mit den Mitgeschöpfen, den Ressourcen und dem Klima führt. Was das konkret für das Wirtschaften, den Konsum und die Gesetzgebung bedeutet, muss immer wieder im Dialog und demokratischen Streit errungen werden.

Wir stehen im Dilemma, dass die Erde der nächsten Generation natürlich in möglichst guter Verfassung übergeben werden muss und dass wir andererseits oft genau spüren, dass dies eine Anfrage ist, unseren gegenwärtigen Lebensstil zu prüfen und zu verändern. Wir brauchen jedenfalls eine aufmerksame Sicht auf die Gesamtzusammenhänge. Das Bild mit den Baumstämmen steht exemplarisch für ein Wirtschaftsfeld und dafür, dass die Früchte der Natur genutzt werden können. Aus Holz kann ich Bretter zum Bauen und Möbel, Holzlöffel und Pellets herstellen. Wenn anschließend neue Bäume fachgerecht gepflanzt werden, wächst der Rohstoff nach, die Bäume halten den Boden fest und tragen zum gesunden Klima bei. Solche Kreisläufe kann der Mensch pflegen und dabei in Generationen denken.

Erkennbare Fortschritte

Es gibt durch viel Aufklärung und gesetzliche Regelungen zahlreiche Veränderungen, die in die richtige Richtung gehen. In Bezug auf das Recycling von Rohstoffen sind neue Kreisläufe entstanden, der Kraftstoffverbrauch wurde verringert, neue energieschonende Technologien verändern die Mobilität. Erneuerbare Energien, höhere Brennwerte bei Heizungen und Dämmung von Gebäuden senken den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen und begrenzen die Erwärmung. Aber es gelingt nur bei der Veränderung des eigenen Lebensstils, bei der z.B. die Raumtemperatur überprüft wird. Die Aufmerksamkeit für die Ernährungsgewohnheiten hat zugenommen. Weniger Fleisch zu essen, ist ein Beitrag zur Reduktion des CO2-Ausstoßes und zugleich ein Beitrag zum Kampf gegen Hunger, weil Getreide dann zu einem geringeren Teil zu Fleisch „veredelt" wird. Wir spüren täglich die Ambivalenz. Der Astronaut Alexander Gerst hat auf der Internationalen Raumstation mit Blick auf den Planeten Erde in einem in der Adventszeit gesendeten Video beschrieben, was die Menschheit ändern muss, damit der Erde ein lebenswerter Planet bleibt. Er müsse sich für seine Generation entschuldigen, sagte er. „Im Moment sieht es so aus, als ob wir euch, der nächsten Generation, den Planeten nicht gerade im besten Zustand hinterlassen werden. Die Erde ist ein zerbrechliches Raumschiff."

Herausforderung für den Lebensstil

Ähnlich hat vor einigen Jahren Papst Franziskus in seiner Umweltenzyklika „Laudato si"[2] die Verantwortung für die Schöpfung beschrieben. Der umfangreiche Text trifft den Nerv der Zeit und durchdenkt das, was zusammengehört: Umweltschutz und Klimawandel, Denken und Handeln des Menschen, die nötigen Veränderungen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft für ein zukunftsfähiges Zusammenleben der Weltgemeinschaft. Mit Blick auf die Bibelstelle 1. Mose 2,15 schreibt er: „Während `bebauen´ kultivieren, pflügen oder bewirtschaften bedeutet, ist mit `bewahren´ schützen, beaufsichtigen, hüten, erhalten, bewachen gemeint. Das schließt eine Beziehung verantwortlicher Wechselseitigkeit zwischen den Menschen und der Natur ein. Jede Gemeinschaft darf von der Erde das nehmen, was sie zu ihrem Überleben braucht, hat aber auch die Pflicht, sie zu schützen und das Fortbestehen ihrer Fruchtbarkeit für die kommenden Generationen zu gewährleisten. Denn `dem Herrn gehört die Erde´(Psalm 24,1), ihm gehört letztlich `die Erde und alles, was auf ihr lebt.´" (5. Mose 10,14). Die empfindlichen Gleichgewichte auf dieser Welt gilt es zu respektieren.[3] Worte von bemerkenswerter Klarheit!

Wir hören den Anspruch, die vielfältigen Zusammenhänge zu sehen, und fragen, was christliche Nachfolge in dem Zusammenhang heißt. Die Schöpfung in ihrer Schönheit und mit ihren vielen Gaben dürfen wir genießen, aber das eigene Verhalten müssen wir zugleich stets auf unser Umweltbewusstsein hin überprüfen. Hier sind Veränderungen im praktischen Leben möglich. Wie fahre ich in die Stadt und in den Urlaub? Kann ich nicht auf dies und das verzichten? Das ist auch eine Anfrage an die bewusste Alltagsgestaltung - überprüft in der Passions- und Fastenzeit. Vielleicht ist das tatsächlich eine Aufgabe, zu der man sich entschließen kann: Den eigenen Lebensstil so auszurichten, dass wir fragen: Kann ich nicht auch mit weniger leben? Das führt vielleicht auch dazu, bewusster zu leben und den Wert des Kleinen, vom heimischen Obst bis zum Fortbewegen mit Muskelkraft, zu schätzen. Es gibt sicher keine einfachen Antworten, und Einzelne können das Gesicht der Erde kaum messbar verändern, aber die Einstellung des Einzelnen prägt zusammen mit der vieler anderer die Haltung eines Landes. Und das hat Wirkung.

Es ist klar, dass es große Anstrengungen der ganzen Menschheitsfamilie bedarf, um wirksame Veränderungen herbeizuführen. Christen kommt hier eine besondere Verantwortung zu, weil ihre Pflichten gegenüber dem Schöpfer und der Natur ein Bestandteil ihres Glaubens sind.

Bernhard Seiger, Superintendent


[1] Die Schreckensbilanz unserer Politik, Frankfurt 1975.

[2] Über die Sorge für das gemeinsame Haus, Freiburg 2015

[3] A.a.O., S.93.

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Tageslosung

Freitag, 22. 2019:

Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.
Psalm 90,16

Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?
Matthäus 6,26

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